Lex marsberg psychologie

Abkürzungsverzeichnis

Edition Number : 1. Number of Pages : XII, Topics : Psychiatry. Skip to main content. Editors: Fritz Reimer 0. Fritz Reimer Psych. Sections Table of contents About this book Keywords Editors and Affiliations Bibliographic Information. Buying options eBook EUR Price includes VAT Ukraine. Softcover Book EUR Price excludes VAT Ukraine.

Tax calculation will be finalised at checkout Purchases are for personal use only Learn about institutional subscriptions. Table of contents 12 papers Search within book Search. Front Matter Pages I-XII. Lerner die individuelle Entwicklung als dynamische Interaktion mit der Umwelt auf solchen Ebenen, die während der gesamten Lebensspanne wirksam werden. Die Koevolution findet auch in der Familie statt.

Psychoökologische Entwicklungspsychologen und Familienforscher nehmen eine systemtheoretische Untergliederung von verschiedenen Organisationsebenen in einer Familie vor. Als Mitglied eines Systems ist man sowohl in Zusammenhänge von hierar- chisch übergeordneten Systemen eingebunden, aber auch anderen Subsystemen wiederum selbst übergeordnet. Für diesen Brückenschlag bin ich Scheflen verpflichtet, der am Beispiel der schizophrenen Erkrankungen ein interaktives Krankheitsmodell, das mehrere Organisationsebenen beinhaltet, ausgearbeitet hat.

Er beschreibt die Interaktion auf der zellulären-morphologischen Ebene bis hin zu den institutionel- len und gesellschaftlichen Ebenen. In der Familientherapie hat sich diese Dreiteilung der Familienorganisation im Sinne von unterschiedlichen hierarchische Ebenen durchgesetzt. In den Reifungs- und Wachstumsprozessen ist das Individuum lange Zeit von seinem interpersonalen Bezugsfeld abhängig.

Die individuelle psychische Entwicklung vollzieht sich im Bezogensein auf das Gegenüber. Die affektiven und die kognitiven Prozesse differenzieren sich in der ständigen Interaktion mit der Umgebung. Die organismischen, also biologischen, Bedingungen spielen eine ganz wesentliche Rolle. Das Individuum ist durch seine Selbstgrenzen bestimmt. Die dyadische Beziehung gilt als weitere Organisationsstufe, die überwiegend mittels psychologischer Variablen beschrieben werden kann.

Kommunika- tionstheorien beschäftigen sich mit den Bedingungen und Wechselfällen des Informationsaustauschs zwischen Menschen. Die Familie unter- scheidet sich von anderen Kleingruppen durch die sog. Mehrgenerationen- perspektive. Familien haben ihre eigene Geschichte. Die Familie grenzt sich durch eine semipermeable Membran von der Umgebung ab.

Schutz durch verstärkte Abgrenzung Entsprechend der in der Einführung formulierten Hypothese findet die Technisierung in der Gesellschaft ihr Gegengewicht in der Sehnsucht der Individuen nach einem schützenden Hort in der Familie, einem Bedürfnis, das die Familien oftmals überfordert. Als Beispiel mag eine Familie gelten, die wir als "Arche Noah-Familie" cha- rakterisiert haben.

Der Arche Noah-Mythos lautet bekanntlich: Gott war es leid, die Sünden der Menschheit länger hinzunehmen - eine Sintflut drohte. In der Arche Noah sollte die Erdenfamilie eine Chance erhalten, zu überleben. Unsere Beispielfamilie Vater, Mutter, der 17jährige Sohn und die 18jährige Tochter lebt in einem eigenen Haus, abgelegen im ländlichen Ambiente der Schwäbischen Alb, zusammen mit zwei Hunden, vier Katzen, zwei Kaninchen, zwei Ziegen und einem Pferd.

Einige dieser Tiere wurden vor dem sicheren Tod gerettet. In der Stadt waren sie zugelaufen, das Tierheim wird als untragbar abgelehnt. Das Essen ist natürlich biologisch-dynamisch, das Gemüse selbst angebaut. Die Umwelt wird als "vergiftet" und bedroht erlebt. Die Situation in der Arche Noah garantiert unabhängig vom Rest der Welt das Überleben.

Beide Eltern setzen sich allerdings mit der Umwelt auseinander, sie sind politisch sehr aktiv, es sind Eltern aus der 68iger Zeit, in ihrem Denken den gleichaltrigen Therapeuten nicht fremd. Dies führte z. Das Familienparadigma des "Sich und andere retten müssen" in der Arche Noah- Situation scheint die Beziehungen in der Familie stabilisiert zu haben. Die Familie kommt jetzt zur Beratung, weil die 18jährige Tochter Petra ausziehen möchte, was alle zusammen zunächst als viel zu früh für sie ansehen.

Die Tochter hat seit ihrem Von einer Welt in die andere 7 Lebensjahr, aktuell jetzt seit einem Jahr, Gedanken an den Auszug. Sie fühlt sich durch die vielen Tiere gestört, es sei ihr zu viel Lärm zuhause. Vor allem hat Petra keine Lust, mit der Mutter über den Auszug zu sprechen oder ihn in die Familienkonferenz einzubringen. Die Familienmitglieder werfen ihr vor, ihre persönlichen Dinge nicht auszudiskutieren, ein schwerwiegender Vorwurf in einer Familie der 68iger Generation.

Aber ein wirksamer Widerstand von Petra an einer empfindlichen Stelle der Familie. Durch diese Verweigerungshaltung von Petra kommt das Paradigma der Familie ins Schwanken. Gibt es auch "Gift" auf der Arche Noah? Die Tochter ist in ihrem Harmoniebedürfnis eher mit dem Vater identifiziert. Auch ihm ist es zu stressig zuhause, wenn seine Frau alles ausdiskutieren möchte, macht er einen Rückzieher.

Deshalb darf er seine Tochter nicht gehen lassen, Petra kann wegen dieser Bindung ihren Vater auch nicht zurücklassen. Der Sohn Uwe sieht in Petra das Korrektiv in der Familie, durch ihr Harmoniebedürfnis mildert sie die Spannungen. Frau A. Durch den Auszug von Petra befürchtet Frau A, sie könne nach dieser Trennung die Tochter endgültig verlieren.

Dieses Beispiel dient zur Illustration der interagierenden Systeme, die bereits weiter oben theoretisch formuliert wurden. Die individuelle Geschichte z. Das Familienparadigma der Familie auf der Ebene der "Familie als Ganzes" ist auf dem sehr realen Hintergrund der drohenden ökologischen Katastrophen gut verständlich.

Cierpka wird auf zweierlei Weise begegnet. Zum einen kämpft man politisch gegen die Gefahr, zum anderen zieht man sich auf die familiäre Insel zurück. Immerhin verfügen solche Familien über gute Ressourcen, die Probleme wer- den gesehen, eine Beratung wird sogar gesucht, obwohl kein Familienmitglied un- ter einem krankheitswertigen Symptom leidet. Die Arche Noah-Situation ist eine relativ gut funktionierende Möglichkeit, mit den Problemen an der Schnittstelle zwischen dem Familiensystem und der ökologischen Umgebung zurechtzukom- men, jedenfalls solange, bis das Wechseln in eine neue lebenszyklische Phase der Familie die Phase der Ablösung neue Entwicklungsmöglichkeiten erforderlich macht.

Um mit der neuen Überforderungssituation, die durch Wachstums- und Reifungsprozesse innerhalb der Familie zustandekam, zurechtzukommen, wird die Familien-Umwelt-Grenze noch rigider gezogen. Es gäbe ständig Streit wegen des Fernsehens zwischen seinem 14jährigen Sohn Klaus und seinem 17jährigen Sohn Thomas, aber auch zwischen den Eltern und den Kindern. Fast jeden Tag gäbe es Streit wegen des Ein- oder Ausschaltens des Fernsehers, oder der Programmwahl.

Zum anberaumten ersten Familiengespräch kommt der jüngere Sohn nicht mit - er sollte auch nicht mitkommen, wie sich später herausstellte. Schuldbeladen und beschämt berichten die Eltern von einem sehr ernsthaften Selbstmordversuch von Thomas. Im Streit um das Fernsehprogramm hatte der Vater die Partei des Jüngeren ergriffen, worauf es zu einem heftigen Wortgefecht zwischen Vater und Sohn kam.

Am nächsten Morgen hörte er auf der Treppe, wie sein Vater gegenüber der Mutter seine Enttäuschung über ihn ausdrückte: "Das kann doch nicht mein Sohn sein! Am gleichen Abend nahm Thomas Beruhigungstabletten und verkroch sich auf dem Dachboden. Nur weil sich die Mutter wegen seiner Wortkargheit an diesem Tag Sorgen gemacht hatte, stand sie mitten in der Nacht noch einmal auf und fand sein Bett leer.

Von einer Welt in die andere 9 Der jüngere Sohn Klaus wurde deshalb nicht mit zum Gespräch gebracht, weil man ihm die suizidale Handlung seines Bruders verschweigen wollte. Im zweiten Gespräch enthüllt er ein weiteres Familiengeheimnis. Die im Haus mitwohnende Mutter des Vaters droht immer wieder mit Selbstmord gegenüber ihrem einzigen Sohn, um seine Aufmerksamkeit zu bekommen und ihn an sich zu binden.

Nicht nur Thomas weicht dadurch der Auseinandersetzung aus. Er konnte sie "an seinen Sohn abtreten", wie er es selbst formuliert. Diese Delegation führte zur Entspannung in der Beziehung zu seiner Frau, weil diese vorher eifersüchtig die Kontakte ihres Mannes mit seiner Mutter überwachte. Der Ausspruch des Vaters am Abend des Suizidversuchs traf ihn genau in dieser Angst.

Beide Eltern scheinen in ihrem beruflichen Alltag sehr überfordert. Auch die Mutter ist als Verkäuferin berufstätig. Die Versetzung von Klaus in die nächste Klasse ist gefährdet. Thomas scheint eher ein Einzelgänger zu sein. Er sitzt am liebsten vor dem Fernseher. Als Lehrer drängte der Vater auf Ratschläge, wie er die Sache mit dem Fernsehen regeln könnte. Mit Stift und Block bewaffnet schrieb er unsere Überlegungen mit und notierte sich unsere Vorschläge, die wir modellhaft für alle anderen aggressiven Auseinandersetzungen in dieser Familie mit den Beteiligten durchsprachen.

Zusammen mit seiner Frau wollte er Regelungen finden, die es ihm erlauben würden, die Auseindersetzungen in seiner eigenen Familie offener und direkter zu führen. Arbeitsziel dieser Therapie war, die Familie unabhängiger gegenüber den Einflüssen der Umgebung zu machen, indem die Autonomie der Familie als Ganzes gestärkt wurde. Wenn Familien aufgrund familieninterner Schwierigkeiten Probleme haben, ihre Familien-Umwelt-Grenze zu wahren, sind sie den Einflüssen der Umwelt beson- ders ausgesetzt.

Das Fernsehen ist in diesem Fallbeispiel sicher nur der Aufhänger für die vorherrschenden aggressiven Auseinandersetzungen zwischen den Geschwistern und der korrespondierenden Hilflosigkeit der Eltern. Der Fernseher macht aus dem Kreis einer Familie einen Halbkreis. Alle Familienmitglieder schauen in eine Richtung, die Richtung zum Fernseher. Die Vereinzelung der Familienmitglieder war die Bewältigungsmöglichkeit dieser Familie, weil sich die Familie als Einheit nicht konstituieren konnte.

Jedes Familienmitglied brachte seine persönliche Überforderung zwar in die Familie ein. Die Eltern klagten über die Streitigkeiten der Kinder, die Kinder über die man- gelnde Präsenz der Eltern. Die Familie selbst war jedoch mit der Bewältigung die- ser Probleme überfordert. Die Bewältigung wurde an jeden Einzelnen zurückver- wiesen. Grenzen können zu rigide, also zu undurchlässig, oder zu flexibel, also zu durchlässig sein Cierpka Die Reizüberflutung unserer technisierten Welt gekoppelt mit der Sehnsucht nach Erlebnis der Menschen kann zu Überforderungen von Individuen, von Partnerschaften und von Familien führen.

Diese Überforderungen zeigen sich in Grenzverletzungen, sowohl beim Individuum als auch bei der Familie. Die eher geschlossenen Systeme sind in ihren morphogenetischen Prozessen behindert. Bei zu durchlässigen Grenz- ziehungen ist die Kohäsion des Familiensystems gefährdet. Es kann zu einer "Reizüberflutung" des Systems kommen, Strukturauflösungen des Ganzen sind möglich und Vereinzelungsprozesse finden statt.

Die Autonomie des Einzelnen ist notwendig, um mit den zur Verfügung stehenden Perspektiven klarzukommen. Die Familien als herkömmlicher Ort der Rege- nerierung können von so viel Abhängigkeitssehnsucht überfordert werden. Literatur Bronfenbrenner U The ecology of human development. Harvard Univ Press, Cambridge Cierpka M Zur Funktion der Grenze in Familien.

Familiendynamik Kreppner K, Lerner RM eds Family systems and life-span development. Lawrence Erlbaum Associates, Hillsdale New York Miller IG Living systems. McGraw-Hill, New York Scheflen AE Levels of schizophrenia. Campus, Frankfurt aM New York Stern D The interpersonal world of the infant. Basic Books, New York Willi J Die Zweierbeziehung.

Sie ist nichts ohne Beruf, ohne gemeinsame Sicht der Dinge, die öffnet und birgt. Sie ist immer nur des geliebten Lebens kleinere Schwester. Botho Strauss, Über Liebe Schon lange hat mich die Frage bewegt, wie Paare, die in den letzten 15 Jahren bei mir in Therapie waren, sich seither entwickelt haben. Vor einiger Zeit habe ich an rund drei Dutzend von ihnen Fragebogen verschickt, die sie zum Erzählen ihrer Geschichten einluden.

Von 37 haben 33 Paare geantwortet, Frauen und Männer einzeln. Vier Fünftel der Antwortenden lebten noch zusammen, ein Fünftel waren getrennt oder geschieden. Das Thema der Wirksamkeit von Paartherapie habe ich nur am Rande gestreift - z. Leben in verschiedenen Beziehungssystemen 13 Im Rahmen eines Menschenbildes, das als systemisch-konstruktivistisch bezeich- net werden kann, möchte ich kurz mein Verständnis von Paarkrisen skizzieren.

Ich verstehe Krisen grundsätzlich als nützliche Vorboten von fälligem Wandel, nicht als Quittung für falsch gelebtes Leben. Jede Paarkrise ist in dieser Sicht eine Möglichkeit, überholte Leitmotive, nach denen eine Frau und ein Mann ihr bishe- riges Leben gestaltet haben, in Frage zu stellen. Die Paare, die mir Auskunft gaben, gehören zur Generation der bis 50jährigen, welche auffallend häufig Paartherapie beansprucht.

Sie sind an Mittelschichtwerten orientiert, selbst wenn sie soziologisch gesehen noch nicht oder nicht mehr dazu gehören. Auf der einen Seite schlagen die Leitbilder der 50er Jahre in ihren Biographien durch, denn die meisten haben in ihrer Kindheit die Ideale des sog. Die prägenden Lehrbücher, auch von Medizin, Psychologie und Psychotherapie, reproduzieren diese Familienbilder ja bis zum heutigen Tag.

Das dazugehörige neoromantische Beziehungsideal des "grossen Paares", dessen alleinige Existenzbasis ewige Verliebtheit und Leidenschaft ist, hat als Tyrannei der Intimität neue Zwänge ge- schaffen, wie sie im bekannten Satz deutlich werden: "Sag nicht immer man, sag ich! Unter dem neuen Anspruch an Glück in einer offenen Paarbeziehung lebt aber die alte Sehnsucht nach Verbindlichkeit und Geborgenheit kräftig weiter.

Verwirrung ist eingeplant! Lassen sie mich nun die Sonnen- und Schattenseiten von 6 Paarkonstellationen schildern, die ich aus meiner Befragung herauskristallisierte. Es handelt sich nicht um die üblichen Klassifizierungsmodelle, denn dasselbe Paar kann im Laufe seiner Geschichte in unterschiedlichen Konstellationen leben.

Welter-Enderlin sind auch nicht an individueller oder gemeinsamer Psychopathologie orientiert. Mich interessierten viel mehr die darin eingebauten Möglichkeiten und Grenzen sowie die Ressourcen, auf welche die Befragten bei ihrer Alltagsbewältigung zu- rückgriffen. In einer Welt, deren Strukturen sich immer noch weitgehend auf diese Lebensform stützen, bewährt sie sich meistens in den ersten Jahren mit kleinen Kindern.

Allerdings wird in dieser Phase die Paarbeziehung oft unmerklich in zwei Welten gespalten. Die Kinder stehen dabei im Mittelpunkt. Fast alle Paare in dieser Gruppe erlebten die Zeit um die Geburt des ersten und vor allem des zweiten Kindes als schmerzliche Zäsur ihrer bisherigen Geschichte. Bei späteren Krisen - oft viele Jahre später! Die überhöhten Mütterlichkeitsmythen aus einer sexistischen Psychologie mit ihrer Kehrseite der Mütterbeschuldigung für alles, was nicht rund läuft, stehen im krassen Widerspruch zu der Isolationserfahrung junger Mütter.

Der Mann fühlt sich zwar seiner Frau gegenüber hilflos und schuldig, wenn er ihr gequältes Gesicht sieht, aber oft auch auch wütend, wenn er beobachtet, wie wenig sie scheinbar seinen Kampf um die materielle Sicherheit der Familie honoriert. Wenn sie mit dem Satz "Wo bist du schon wieder mit deinen Gedanken" jedoch ständig an dem abprallt, was ein Mann in der Befragung als seine emotionale "Teflonschicht" bezeichnete, die in seiner technisierten Arbeitswelt nötig sei und ihm dort als Schutz diene, erwartet die Frau irgendwann gar nichts mehr von ihm.

Sie sucht Ersatz bei den Kindern, ihren Freundinnen und vielleicht bei ihrer Herkunftsfamilie. Der Mann lebt dann sein Leben erst recht für sich allein und sucht Bestätigung dort, wo er sie findet - in der Arbeit, den Männerbünden und manchmal in flüchtigen Affären. Er vermeidet die Nähe zu seiner Frau, weil er ihre Schuldzuweisung fürchtet - vielleicht wie damals als hilfloser Sohn einer unglücklichen Mutter.

Sie vermeidet die Nähe zu ihrem Mann, weil sie ihm grollt, wie sie vielleicht als Kind ihrem distanzierten Vater gegrollt hat. Von emotionaler Intimität und sexueller Lust zwischen den beiden ist kaum mehr die Rede. Wenn solche Zeichen in der Krise der Lebensmitte oder im besten Fall schon früher entziffert werden, können sie fast immer als Sehnsucht nach den ursprüngli- chen Visionen verstanden werden, welche eine Frau und ein Mann für ihr eigenes und das gemeinsame Leben hatten.

Kleine, aber bedeutsame Schritte im individuel- len Leben und im "Tanz" des Paares wecken vielleicht wieder Neugier aufeinander - eine gute Möglichkeit für das Wiedererwachen von Leidenschaft. Aus der Krise kann im besten Fall mit der Zeit eine Verbindung von zwei eigenständigen, gleichberechtigten Menschen entstehen, die weit über die mittleren Jahre hinaus Früchte trägt.

Erstaunlich viele der befragten Paare haben auf dem Weg ins Alter eine neue Balance zwischen Geborgenheit im Wir und Ich-bezogener Leidenschaft, zwischen "Wurzeln und Flügeln", gefunden. Die Männer in dieser Lage neigten dazu, sich rasch mit einer jüngeren Frau wieder in eine Beziehung einzulassen, die im Gegensatz zu der bisherigen Lebensform der Familienehe als "patriarchale Romanze" bezeichnet werden kann.

International Association of Human Rights Defenders

Sie wiederholten dabei mit neuer Besetzung das alte Spiel, welches sie meistens in der ersten Phase der Verliebtheit, noch vor der Geburt des ersten Kindes, mit der nun geschiedenen Partnerin gelebt hatten: Eine Vater-Tochter-Beziehung anstelle der später gelebten Mutter-Sohn Konstellation. Sehr oft tun sie dies genau zu der Zeit, da ihre Männer genug haben vom Fliegen in der dünnen Höhenluft des Berufs und sich nach Häuslichkeit sehnen.

Die Frage "Wo bist du schon wieder mit deinen Gedanken? Jene Frauen, die sich in dieser Lebensphase zur Trennung entschieden, waren selten motiviert durch eine neue Beziehung. Erstaunlich übrigens, wie gut das "Fliegen" den erzählenden Frauen auch weit über die Lebensmitte hinaus bekommt - selbst wenn dabei ihre Sehnsucht nach der Geborgenheit in einer Zweierbeziehung für immer ungestillt bleibt.

Progressive Paarkonstellationen - Offene Zweierbeziehung: Moratorium des Nicht-Übergangs - Das Dreiphasenmodell: Kinder und Beruf in Phasen - Doppelkarriere: Kinder und Beruf gleichzeitig Die sog. Dreiphasen- und dem Doppelkarriere-Modell. Es bewährte sich für die meisten befragten Frauen und Männer in den ersten Jahren. Beide konnten die Vorstellung von Unabhängigkeit bewahren und dafür ihre berufliche Entwicklung vorantreiben.

Nicht selten wurde durch die Kinderfrage die Frage nach der Verbindlichkeit der Paarbeziehung zum ersten Mal explizit gestellt. Die Frage, ob ein Paar zusammenbleibt, weil es das will oder einfach, weil es sich aneinander gewöhnt hat oder weil die Gebärfähigkeit der Frau abnimmt, wurde von einigen erst nach einer unfreiwilligen Entscheidung wirklich beantwortet.

Bei den Konstellationen des Dreiphasenmodells und der Doppelkarrieren mit Kindern beschrieben die Befragten immer wieder ihr unbemerktes Kippen in eine traditionelle Rollenverteilung. Deutlich wurde mir besonders bei diesen Lebensformen die Verstrickung der Paarwelt mit der Welt von Arbeit und Gesellschaft - also des Persönlichen mit dem Politischen.

Wenn ein Mann und eine Frau, die gerne in ihrem Beruf arbeiten und sich ein Stück weit über diesen definieren, Kinder möchten, ist der Bruch in der Laufbahn der Frau fast immer pro- grammiert. Das Leitbild traditioneller Ehen, wonach seine Arbeit wichtiger ist als ihre, wird auch in progressiven Formen durch die real existierenden ungleichen Aufstiegsmöglichkeiten und die ungleiche Entlohnung von Mann und Frau repro- duziert.

Für ihn resultierte daraus das lineare Leben am Stück, für sie das Leben als Stückwerk voll atemloser Gleichzeitigkeit. Diese Anstrengung hat aber bei einigen auf der Ebene des Alltags zu einer "Abnützungsschlacht" geführt, bei welcher oft über Jahre jede Minute verplant war. Zwar schenkten sie ihren Kindern die letzten Tropfen von Liebe und Energie, aber für Spontaneität und lustvolles Sich-fallen- lassen als Geliebte blieb ihnen kaum mehr Raum.

Die Bitterkeit des verlassenen "Mitkämpfers" oder der "Mitkämpferin" war jedesmal überwältigend - zumindest solange, bis die erfahrene Untreue als mögliche Treue zum individuellen und zum gemeinsamen Lebensentwurf verstanden und in not- wendige Veränderungen im gemeinsamen Alltag übersetzt werden konnte. Das war übrigens bei mehr Paaren möglich, als ich erwartet hatte, und mag auch mit mei- ner persönlichen Einstellung zum Thema von Untreue als Versuch von Treue zum ursprünglichen Lebensentwurf statt als Ende einer Liebesbeziehung zu tun haben.

Viele, denen es inzwischen trotz Krisen ge- lungen ist, die Durststrecke der ersten Jahre mit Kleinkindern und Beruf durch- zustehen, erzählten mir von einem späteren Reichtum an persönlichen und berufli- chen Entwicklungen sowie einer Lebendigkeit als Paar, welche ihre Mühe gelohnt habe. In den al- lermeisten Fällen zahlte dabei die Frau beruflich den höheren Preis als der Mann für ihre Kompensation der gesellschaftlichen Mängel.

Andererseits erzählten mir ausnahmslos alle geschiedenen Männer vom schmerzlichen Verlust ihrer Kinder, die von ihnen oft als die wichtigsten Menschen im Leben beschrieben wurden. Lassen Sie mich zum letzten Teil meines Beitrags kommen mit der Frage, wie Paare ihren inneren Raum als Folge der beschriebenen Krisen neu gestalten kön- nen. Menschen sind ja nicht einfach Opfer gesellschaftlicher Prozesse, sondern immer ein Stück weit Mitgestalter, besonders im eigenen Raum.

Ich bezeichne das als Chance eines "zweiten Ablösungsprozesses". Ich möchte ein paar Erfahrungen zum zweiten Thema mit ihnen teilen, also der Frage, wie Leidenschaft und Geborgenheit in einer Paarbeziehung immer wieder neu gefunden werden können. Weder die patriarchalen Leitbilder der 50er Jahre, wonach Lust und Verbindlichkeit nicht zusammen passen, noch die neoromanti- schen der 68er Jahre, welche ewige Verliebtheit und Lust über Verbindlichkeit stel- len, sind uns da eine Hilfe.

Bei der Lebensform der Familien- oder Versorgungs- ehe, welche die meisten Paare einholt, sobald sie Kinder bekommen, steht notwendigerweise die Sehnsucht nach Sicherheit und Geborgenheit eine Zeitlang im Mittelpunkt. Die Spaltung in seine Welt und ihre Welt spiegelt sich bis ins Innerste der Paarbeziehung in Form von unter- schiedlichen männlichen und weiblichen Sprachregulierungen und asymmetrischen Verhältnissen.

Wo solche Unterschiede zugunsten von Harmonie um jeden Preis verwischt werden, lauert immer die Gefahr der Domestizierung von Lust und Leidenschaft. Welter-Enderlin das Fremde aneinander kolonialisiert. Eltern-Kind-Verhältnisse lassen sich aber schlecht vereinbaren mit derLeidenschaft erwachsener Liebespartner! Versorgen und versorgt werden ist schön, aber nicht gleichbedeutend mit Lust und Intimität, und im Treibhaus der Sicherheit verkommt die lange Weile der Verbindlichkeit leicht zur Langweil.

Eine erwach- sene Sexualität fanden Paare in dieser Gruppe häufig erst wieder, als sie sich durch Krisen im wörtlichen Sinne auseinander setzen und ihr Eigenes wieder beanspru- chen lernten, um sich sozusagen als Fremde wieder neu zu begegnen. Leidenschaft als Teil von Geborgenheit ist auf Dauer nur bei gleichgestellten Partner möglich, davon haben mich die eigenen Erfahrungen wie auch jene der be- fragten Frauen und Männer überzeugt.

Literatur Burkhart G, Kohli M Liebe, Ehe, Elternschaft. Piper, München Hochschild A Der 48 Stundentag. Paul Zsolnay, Wien Darmstadt Kantor D, Okun BF Intimate environments. Sex, intimacy and gender in families. Guilford Press, New York Walters M et al Unsichtbare Schlingen. Klett-Cotta, Stuttgart Welter-Enderlin R Paare - Leidenschaft und lange Weile.

Piper, München Welter-Enderlin R Jeder ist seines Glückes Schmied. In: Frauenleben heute. Die tiefgreifenden Änderungen der psychoanalytischen Theorie seit dem Tode Freuds sind oft überhaupt nicht bekannt. Das gilt auch für die psycho- analytische Technik. Einer solchen Technik wird dann mit Skepsis begegnet und der Vorbehalt entgegengebracht, über rationale Einsichten in genetische Zusammenhänge oder über die Abreaktion regressiver Gefühlszustände nicht hinauszugelangen.

Sandler immer stärker in den Vordergrund gerückt ist. Freuds Ziel - die psychische Gereiftheit - ist geblieben. Verändert hat sich bei vielen aber die Auffassung über den Weg dorthin. Ich möchte in meinem kleinen Beitrag die Position vertreten, die im Titel mit dem Schlagwort "Konstruktion im Hier und Jetzt" umrissen ist.

Dabei kann ich nur auf die beiden zentralen Punkte eingehen: auf das veränderte Übertragungs- konzept und die daraus abgeleitete veränderte Deutungstechnik. Spillius ; Meltzer immer stärkere Resonanz gefunden. Sie sind viel eher, wenn auch nicht immer, Relikte eines Erlebniszustands, in dem Mutter verschlin- gend phantasiert wurde und Vater penetrierend.

Folgt man der Interpretation der Frühentwicklung durch die Kleinianische Schule, so handelt es sich um Phantasien, die in den ersten Lebensmonaten gebildet werden. Rekonstruktion des Früheren - Konstruktion im Hier und Jetzt 23 Solche Reaktionen können wir dann nicht einfach als eine autentische Wiederholung einer vergessenen historischen Beziehung der Kinderzeit betrachten. Es handelt sich vielmehr um die Präsenz einer Phantasie über eine Beziehung, die damals so erlebt worden war und die durch ungünstige Entwicklungsbedingungen nicht aufgelöst werden konnte.

Mehr noch: Wie oder womit wollen wir reagieren, wenn nicht mit unseren Phantasien, unseren durch unsere Analysanden in uns wachgewor- denen inneren Objekten? Was meinen wir mit Resonanzraum, in dem die Übertragungen und Projektionen unserer Analysanden in uns zum Klingen kom- men, wenn nicht unsere eigenen regressiven, durchaus auch konflikthaften und ab- gewehrten Phantasien, Ängste und Bedürfnisse?

Und warum sollte der Beziehungsmodus der Projektionen und der Identifizierung mit den Projektionen ein einseitiger sein, der vom Patienten ausgeht und uns erreicht? Warum sollten unsere Analysanden also nicht auch auf uns reagieren? Diese Vorstellungen sind nicht nur Projektionen und fiktive Ideen. Sie beruhen auf verinnerlichten Vorerfahrungen, die in der Beziehung aktiviert werden, und sind die gestaltende Kraft des Übertragungsprozesses.

Die Übertragungsszene kann deshalb gar nicht die historische Wirklichkeit von nur einem der beiden Beteiligten autentisch abbilden. Die Aufgabe des Analytikers Vor diesem Hintergrund gestaltet sich die Aufgabe des Psychoanalytikers aus heu- tiger Sicht ganz anders, als Freud sie konzipiert hatte. Freud schrieb in sei- ner Arbeit "Konstruktionen in der Analyse": "Der Analytiker hat von dem, worauf es ankommt, nichts erlebt und nichts verdrängt; seine Aufgabe kann es nicht sein, etwas zu erinnern" Freud , S.

Freud fährt fort: "Was ist also seine 'des Analytikers' Aufgabe? Seine Arbeit der Konstruktion oder, wenn man es lieber so hört, der Rekonstruktion, zeigt eine weitgehende Übereinstimmung mit der des Archäologen, der Es ist nur eine Frage der analytischen Technik, ob es ge- lingen wird, das Verborgene vollständig zum Vorschein zu bringen" Freud , S. Dem könnte man heute gegenüberstellen: Was ist die Aufgabe des Analytikers?

Hier endet allerdings auch schon der Vergleich mit dem Dramaturgen, denn die weitergehende Aufgabe des Analytikers ist die explizite Deutung, zu der es auf dem Theater keine Parallele gibt. Im Gegenteil: Die Wirkung des Theaters liegt darin, die Idee der Szene unausgesprochen zu lassen und es dem Zuschauer zu überlassen, ihre Botschaft zu entschlüsseln.

Dabei benutzt der Analytiker als Material die Gestaltungen seines Analysanden und die Erfahrungen, die im Resonanzraum seines eigenen Inneren als Reaktion auf das Spiel zum Klingen kommen. So jedenfalls hat Sandler die Dynamik der analytischen Begegnung veranschaulicht. Ermann Folgen für die Deutungstechnik Solche Übertragungsdeutungen gelten nach wie vor als die wichtigsten spezifi- schen Interventionen in der psychoanalytischen Behandlung.

Mit umfassenden Übertragungsdeutungen beschreiben wir vielmehr, wie eine Befindlichkeit, eine Befürchtung, ein Bedürfnis in der Beziehung zum Analytiker entstanden ist und auf welchen Anteil des Analytikers an der gemeinsamen Beziehung der Analysand da- mit reagiert. Damit wehren Sie sich gegen Ihre Angst, Sie könnten diese und jene schlimme Erfahrung mit mir machen.

Und mit den Briefen haben Sie auch die Verbindung zu mir aufrechterhalten. Ihre Empfindungen für die Mutter wurden ambivalent, der Vater gewann eine neue Bedeutung für Sie und so weiter" Freud , S. Deutungen, die diesem Schema folgen, erscheinen uns mehr als 50 Jahre später be- fremdlich. Rank schon in den 20er Jahren kritisiert. Heute erscheint sie uns als eine Flucht aus der Beziehung, die wir mit dem analytischen Setting im Hier und Jetzt stiften, in das Dort und Damals der Rekonstruktion.

Freud hat gemeint, die Rekonstruktion sollte in der Erinnerung des Analysierten enden, ihn zur Erinnerung des historischen Verdrängten bringen Freud , S. Anders die Funktion der Konstruktion. Viel entschei- dender ist die Erfahrung. Ermann Bedürfnissen unserer Patienten verdeckt oder offen Befriedigung, um uns der de- struktiven Kraft der Enttäuschung zu entziehen, die uns in der abgewehrten Übertragungsszene zugedacht ist.

Die Identifizierung mit dieser Vermittlerfunktion des Analytikers zwischen Abwehr und Abgewehrten - hier greife ich eine alte Idee von Strachey wieder auf - die Identifizierung mit dieser synthetischen Funktion ist der Neuerwerb, der in ei- ner geglückten Analyse gelingen kann. Wenn er gelingt, so wissen wir aus der Praxis, dann kann der Analysand sich auch mit weniger Angst den konflikthaften Erlebnissen zuwenden, in denen die konflikthafte Wahrnehmung und Verarbeitung des Hier und Jetzt wurzelt.

Dann leistet er die Rekonstruktionen selbst, die ihm ein neues Gefühl innerer Kontinuität vermittelt und ihm hilft, sich mit seinem eigenen Schicksal zu ver- söhnen. Literatur Deutsch H Okulte Vorgänge während der Psychoanalyse. Imago Ermann M Die sogenannte Realbeziehung.

Ein Tag zum Abgewöhnen / Brüderkrankenhaus Trier

Dimensionen der hilfreichen Beziehung. In: Ermann M Hrsg Die hilfreiche Beziehung in der Psychoanalyse. Int Psychoanal Verlag, Wien Freud S Konstruktionen in der Analyse. GW Bd 16 Gill MM Analysis of transference, vol 1: Theory and technique. Int Univ Press, New York Heimann P Countertransference. Int J Psychoanal 84 Klein GS Psychoanalytic theory.

Int J Psychoanal Meltzer D Traumleben. Verlag Internationale Psychoanalyse, München Wien Racker H Übertragung und Gegenübertragung. Reinhardt, München Sandler J Gegenübertragung und die Bereitschaft zur Rollenübernahme. Psyche Schafer R The interpretation of transference and the conditions of loving. J Am Psychoanal Assoc Spillius EB Melanie Klein heute, Bd 1 , Bd 2 Verlag Internationale Psychoanalyse, München Wien Strachey J Die Grundlagen der therapeutischen Wirkung der Psychoanalyse.

Jung ist gestorben, und gerade das Thema der Beziehung ist nach seinem Tod auf der Grundlage seiner Gedanken entscheidend weiter entwickelt worden. Die Selbstregulierung der Psyche ist wichtig, um mit Problemen und Belastungssituationen leben zu können. Namensräume Artikel Diskussion. Ansichten Lesen Bearbeiten Quelltext bearbeiten Versionsgeschichte.

Hauptseite Themenportale Zufälliger Artikel. Professor Weiner betonte hierbei, dass es für die Patienten darauf ankomme, den Blutdruck optimal einstellen zu lassen und auch konsequent die verordnete Medikation einzunehmen. Christina Weirich, Diätassistentin des Zentrums für Ambulante Rehabilitation, zeigte in ihrem Vortrag auf, was viele der Betroffenen selbst dazu beitragen können, ihren Blutdruck zu senken und die Hypertonie in den Griff zu bekommen.

Hierbei führte sie beispielhaft den bei zahlreichen Menschen deutlich erhöhten Salzkonsum ins Feld und erläuterte, wie sich dieser mithilfe einer bewussteren Ernährung besser reduzieren lässt. Zahlreiche Besucher nutzten auch die Gelegenheit, sich am Ende des Vortragprogramms mit konkreten Fragen an die Referenten zu wenden.