Faschismus psychologie
Erscheint dir das übertrieben? Ängste und Rechtfertigungen Ein weiteres der offensichtlichsten psychologischen Merkmale des Faschisten sind Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit. Diese Art der Rechtfertigung und Ablehnung manifestiert sich nicht nur in Bezug auf das Herkunftsland, sondern auch in Bezug auf die Identität einer bestimmten Gruppe oder eines bestimmten Bereichs.
Der Hass auf das Lebendige. Anmerkungen zur Sozialpsychologie des Faschismus – einst und jetzt
Der Faschismus ist auch elitär. Er verachtet die Armen oder Enteigneten, die er als Wesen zweiter Klasse betrachtet. Reichtum definiert seiner Meinung nach auch den Wert eines Menschen. Er lehnt alle Formen von Schwäche ab, ebenso wie jede Manifestation, die als Symptom der Verletzlichkeit interpretiert werden kann.
Ebenso nutzen Faschisten das Thema Geschlecht, um eindringliche Diskriminierungen vorzunehmen. In der Vergangenheit herrschte eine Dominanz des Chauvinismus, aber heute wird diese Intoleranz auch in einigen Bereichen der feministischen Bewegung und der LGTBA-Bewegung beobachtet. Die anderen psychologischen Eigenschaften des Faschisten Umberto Eco weist darauf hin, dass die Hauptzielgruppe der faschistischen Ideen die Mittelschicht ist.
Es handelt sich um einen dynamischen sozioökonomischen Sektor, dessen Position nicht vollständig definiert ist. Solch eine Gleichsetzung ist eine Vorbereitung für ein Loslassen verbannter Triebe gegen ein verbanntes Volk; eine psychologische Brücke ist geschlagen zwischen dem inneren Druck eines Ressentiments gegen die Verdrängung und des Ressentiments gegen ein heimatloses Volk.
Wer kein Heim hat, verdient auch keines. So erzeugt die Projektion gleichzeitig Lustgewinn und Feindeinstellung. Sind die Parallelen zur Gegenwart nicht erstaunlich und erschreckend? Man müsste sich die Zeit nehmen, Reden von Trump und anderen Rechtspopulisten nach dem Vorbild von Löwenthal und Guterman eingehend auf ihre unterschwelligen Botschaften zu untersuchen.
Diese ist ein Fragebogen, der antidemokratische Einstellungen und Persönlichkeitseigenschaften der autoritären Persönlichkeit erfassen soll. So ist, wer gegen Ausländer, Juden und andere Minoritäten wettert, in der Regel auch gegen Frauenrechte und für die Prügel- und Todesstrafe. Es existiert eine sozialpsychologische Komplementarität, die dafür sorgt, dass bestimmte gesellschaftliche Affekte sich mit anderen verbinden.
Das ist bis auf den heutigen Tag nicht anders geworden und findet sich in unterschiedlichen Mischungsverhältnissen auch im gegenwärtigen Rechtspopulismus, wobei der Antisemitismus häufig nicht offen agiert wird. Aber es ist wie so oft: Was zum Verschwinden gebracht werden soll, scheint in der Bewegung durch, durch die der Rechtspopulist es zu verbergen versucht.
Statt das dumpf im psychischen Untergrund Schwelende und die frei flottierenden Ängste der Leute über sich selbst aufzuklären und ins Bewusstsein zu heben, wie es psychoanalytische und aufklärerisch-demokratische Praxis wäre, eignet sich der faschistische Agitator beziehungsweise Rechtspopulist diesen Rohstoff so an, wie er bereit liegt, und setzt ihn für seine Zwecke in Gang.
C.G. Jung und der deutsche Faschismus: GRIN
In Zeiten verbreiteter Verunsicherung und Desorientierung findet eine kollektive Regression auf archaische Mechanismen der psychischen Regulation statt. Urteils- und Differenzierungsvermögen bilden sich zurück und es steigt das Bedürfnis nach entlastenden Vereinfachungen. Wer die simpelsten Polarisierungen liefert, hat nun die besten Aussichten, Gehör und Gefolgschaft zu finden.
Wirkliche Aufklärung — unter striktem Verzicht auf alles Populistisch-Reklameähnliche — ist dagegen anstrengend und schmerzhaft. Das ist der Grund, warum in Krisenzeiten, wenn die Menschen sich nach schnellen Lösungen sehnen, linke Aufklärungsversuche gegenüber den populistischen Vereinfachungen kaum eine Chance haben.
Erich Kästner hat am Mai in Hamburg bei der Tagung des PEN Deutschland anlässlich des Später war es zu spät. Man darf nicht warten, bis der Freiheitskampf Landesverrat genannt wird. Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muss den rollenden Schneeball zertreten. Basel Franz, Marie-Louise von: C. Sein Mythos in unserer Zeit.
Zürich, Düsseldorf Fromm, Erich: Märchen, Mythen, Träume. Eine Einführung in eine vergessene Sprache. Stuttgart Gess, Heinz: Vom Faschismus zum Neuen Denken. Jungs Theorie im Wandel der Zeit, Lüneburg Horn, Klaus: Politische Psychologie. Jung in Bild und Wort.
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Olten und Freiburg im Breisgau. Sonderausgabe Jung, C. Berlin Lockot, Regine: Erinnern und Durcharbeiten - Zur Geschichte der Psychoanalyse und Psycho- therapie im Nationalsozialismus. Beiträge zur Be- arbeitung eines unbewältigten Traumas, Frankfurt a. Jung mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, Reinbeck bei Ham- burg [ BARNABY und P. Jung and the Humanities - Towards a Hermeneutics of Culture, Princeton 2 Vgl.
Jungs Theorie im Wandel der Zeit, Lüneburg Beiträge zur Bearbeitung eines unbewältigten Traumas. Diese Neuauflage des erstmals erschienenen Bandes enthält die Beiträge der damals aufsehenerregenden und kontrovers geführten Debatte. JUNG: Gesammelte Werke Band 10 Zivilisation im Übergang , Olten und Freiburg im Breisgau 6 Angaben zur Person vgl. Gerhard WEHR: C. Jung mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, Reinbeck bei Hamburg 7 Vgl.
Jung Briefwechsel, gekürzte Ausgabe, Frankfurt a. Jung zur Einführung, Hamburg , S. Jung: Eine Biographie. Bild und Wort. Olten und Freiburg im Breisgau, Sonderausgabe 9 Vgl. JUNG: Gesammelte Werke Band 5 Symbole der Wandlung , Olten und Freiburg im Breisgau 11 Vgl. Micha BRUMLIK, a. JUNG: Das Grundproblem der gegenwärtigen Psychologie , in ders.
JUNG: Das Gewissen in psychologischer Sicht , in ders. Ernst BLOCH: Das Prinzip Hoffnung, Band 1, Frankfurt a. Ernst BLOCH, a. BENNET: C. Einblicke in Leben und Werk, Zürich Jung und der Nationalsozialismus , wiederveröffentlicht in: dies. Themen bei C. Zürich ; hier zitiert nach Gerhard WEHR, a. Regine LOCKOT: Erinnern und Durcharbeiten - Zur Geschichte der Psychoanalyse und Psychotherapie im Nationalsozialismus, Frankfurt a.
Elisabeth BRAININ und Isidor J. EVERS, a. JUNG: Zeitgenössisches. März , wiederveröffentlicht in G. In diesem Text liefert JUNG die Gründe für seine Mitarbeit in den gleichgeschalteten Institutionen und distanziert sich von offener nazistischer Propaganda. Zentralblatt für Psychotherapie, Ausgabe 6, ; hier zitiert nach Ludger M. HERMANNS: John F.
Rittmeister und C. Jung , veröffentl. Wie war es wirklich? JUNG: Zur gegenwärtigen Lage der Psychotherapie , in ders. JUNG: Aufsätze zur Zeitgeschichte, Zürich Diese Hausarbeit bezieht sich auf die in den Gesammelten Werken Bd. Er entwickelte nach einen wichtigen Teil der faschistischen Staatslehre, indem er das Verhältnis von Partei und Staat abzugrenzen versuchte.
Panunzio lehrte an der einflussreichen Fakultät für politische Wissenschaft der Universität Perugia. Der Jurist Alfredo Rocco — war ursprünglich einflussreicher Vordenker der nationalistischen Bewegung Italiens, die mit dem Faschismus fusionierte. Rocco wurde während des totalitären Umbaus des italienischen Staates ab zum Architekten des faschistischen Institutionengefüges.
Unter anderem zeichnete er auch für die Verschärfung des Strafrechts verantwortlich. Enrico Corradini — war ebenfalls von Haus aus Nationalist. Diese im Faschismus später sehr einflussreiche Denkfigur verband sich bei Corradini mit einer leidenschaftlichen Verehrung des antiken Rom. Julius Evola — war Kulturphilosoph und entstammte einer katholisch-traditionellen Familie in Rom.
Evola repräsentierte einen reaktionären Teil des Faschismus, der immer wieder in Gegensatz zum modernistischen Flügel geriet, welchen Evola als Entartung des Faschismus kritisierte. Evolas extreme Ansichten blieben aber im Faschismus stets eine Minderheitenposition. Oswald Mosley — Mosley stammte aus einer konservativen Tradition, hielt aber das System nicht mehr für reformierbar.
Es müsse mit einem neuen Typus von Männern — und auch Frauen — eine neue Ordnung erschaffen werden. Die liberale Phase in Europa sei dagegen dem Untergang geweiht. Dazu waren vor allem eine charismatische Volksmacht, die Partei und militärische Männerbünde gedacht, die sich einem Greater Britain verschreiben. Auch sei es möglich, sie auch anderen Formen des Despotismus oder Fanatismus zuzuordnen.
Wenn die ganze Wahrheit bereits durch die Tradition offenbart wurde, kann kein neues Lernen stattfinden, sondern nur weitere Interpretation und Verfeinerung. Eco unterscheidet dies von einer Ablehnung oberflächlichen technologischen Fortschritts, da viele faschistische Regime ihre industrielle Potenz als Beweis für die Vitalität ihres Systems anführen. Dies, sagt Eco, ist mit Anti-Intellektualismus und Irrationalismus verbunden und manifestiere sich oft in Angriffen auf die moderne Kultur und Wissenschaft.
Eco nennt auch Pat Robertsons Buch The New World Order als prominentes Beispiel für eine Plotbesessenheit. Einerseits spielen Faschisten die Macht bestimmter benachteiligter Eliten hoch, um bei ihren Anhängern ein Gefühl von Groll und Demütigung zu wecken. Andererseits verweisen faschistische Führer auf die Dekadenz dieser Eliten als Beweis ihrer ultimativen Schwäche angesichts eines überwältigenden Volkswillens.
Sowohl das faschistische Deutschland unter Hitler als auch Italien unter Mussolini hätten zuerst daran gearbeitet, ihre jeweiligen Länder zu organisieren und zu säubern und dann die Kriegsmaschinen zu bauen, die sie später beabsichtigten und benutzten, obwohl Deutschland den Beschränkungen der Versailler Friedenskonferenz unterworfen gewesen sei, keine Streitkräfte aufzubauen. Dieses Prinzip führe zu einem fundamentalen Widerspruch innerhalb des Faschismus: der Unvereinbarkeit des endgültigen Triumphs mit dem ewigen Krieg.
Eco sieht in diesen Einstellungen die Wurzel einer tiefen Spannung in der grundlegend hierarchischen Struktur faschistischer Gemeinwesen, da sie die Führer dazu ermutigen, ihre Untergebenen zu verachten, bis hin zum ultimativen Führer, der das ganze Land verachtet, weil er ihm erlaubt hat, es mit Gewalt zu übernehmen. In seiner Ungeduld schickt er häufiger andere Menschen in den Tod.
Da keine Masse von Menschen jemals wirklich einig sein könne, gebe sich der Führer als Interpret des Volkswillens aus obwohl er ihn in Wahrheit diktiert. Die deutsche Kommunistin Clara Zetkin bezeichnete Faschismus in einem Vortrag vor dem Exekutivkomitee der Komintern in Moskau als eine terroristische Herrschaftsform des Kapitals, doch sei seine soziologische Basis viel breiter und reiche bis weit ins Proletariat hinein.
Insofern liege die Verantwortung für ihn bei den Reformisten , etwa den Sozialdemokraten. Stalin geht in seiner Sozialfaschismusthese noch weiter und rechnet selbst die Sozialdemokratie zu den Handlangern des Kapitals. Dagegen räumt Thalheimers Bonapartismus-Theorie der politischen Kraft des Faschismus während einer ökonomischen Sondersituation eine gewisse Eigenständigkeit ein.
Die Kritische Theorie der Frankfurter Schule von Adorno und Horkheimer besinnt sich in ihrer Theorie des autoritären Charakters auf die sozialpsychologischen Grundlagen des Faschismus, verweist aber zugleich auch auf die ökonomische Basis. Diesen engen Zusammenhang zwischen Faschismus und Kapitalismus, den Marxisten annehmen, formulierte Max Horkheimer in dem apodiktischen Diktum, wer nicht vom Kapitalismus reden wolle, solle vom Faschismus schweigen.
Abgrenzung des Faschismus vom Bonapartismus Der Neo- Marxismus rechnet nicht alle rechtsgerichteten Diktaturen zum Faschismus. Diktaturen ohne politische Massenbasis — etwa die Militärdiktaturen der er und er Jahre in Lateinamerika — werden nach dem von Marx begründeten Konzept dem Bonapartismus zugerechnet, in dem die Bourgeoisie zwar keinen unmittelbaren politischen Einfluss hat, aber vom Machthaber sozial begünstigt wird.